Zitate aus Zeitungsartikeln zum Konflikt um den König-Konrad-Fels bei Villmar an der Lahn

"Naturschützer: Das Biotop am König-Konrad-Felsen erhalten"

Das Weilburger Tageblatt zitiert in seiner Ausgabe vom 4.2.2003 die Kreisgruppe Limburg-Weilburg der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON).

Der Text des Artikels in Auszügen:

Villmar. (nt). Die Kreisgruppe der HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz) hat die beabsichtigte Ausweisung des "König-Konrad-Felsens" in Villmar als Naturschutzgebiet begrüßt.

Die HGON appellierte an die Kletterer, ihr Hobby zu Gunsten eines Erhalt des einmaligen Naturbiotops zurück zu stellen, so Fritz Kohl (Niedertiefenbach), Sprecher der Gruppe.

[...]

Doch seit Jahren hätten Kletterer, die meistens von weither kommen, just diesen Felsen zu ihrem Übungs- und Erlebnisfelsen auserkoren, mit dem Ergebnis, dass ein Großteil der seltenen Flora bereits heruntergetreten und zerstört worden sei.

Im letzten Moment habe die beim Landkreis angesiedelte "Untere Naturschutzbehörde" nach mehreren Ortsterminen, bei denen auch die Kletterer anwesend waren, und auf Grund von Gutachten die Notbremse gezogen.

[...]


Bemerkenswert an diesen Aussagen ist vor allem, daß Herr Kohl von der HGON nun schon zum wiederholten Mal in der Öffentlichkeit nachweislich falsche Aussagen über den Hergang der einstweiligen Sicherstellung des König-Konrad-Felsens macht. Offensichtlich ist es den Vertretern der HGON auch nach mehreren Monaten der aktuellen Diskussion nicht gelungen, sich ein korrektes Bild der Faktenlage zu machen. Aus Sicht der IG Klettern ist dies außerordentlich bedauerlich. Es erscheint uns ausgesprochen unfruchtbar, mit Leuten ins Gespräch kommen zu müssen, die zum Thema wenig mehr als falsche Behauptungen und unsinnige Vorurteile beizutragen in der Lage sind.

Hier die  Stellungnahme des Bundesverbandes der IG Klettern von Jo Fischer.


"Den Bestand des Steinbrechs erhalten"

Leserbrief von Biologe Claus Mückschel in der Nassauischen Neuen Presse vom 15.1.2003.

Einige Auszüge aus dem Leserbrief:

Die Ausweisung des Gebietes "Bodensteinerlai" als Naturschutzgebiet ist aus naturschutzfachlicher Sicht ein notwendiger und von uns schon seit langem angemahnter Schritt. Das jüngst hierzu von einem unabhängigen Planungsbüro erstellte Schutzwürdigkeitsgutachten kommt zu dem gleichen Ergebnis. Seit langem ist bekannt, dass der Rheinische Steinbrech (Saxifraga sponhemica) an der "Bodensteinerlai" sein einziges Vorkommen im Bundesland Hessen besitzt.

[...]

Die Kletterpraxis bringt es mit sich, dass Griffe, Tritte (Ritzen, Simse und Fugen in der Felswand) regelmäßig von Vegetation und Humus gereinigt werden, um einen sicheren Halt zu gewährleisten.


Der von Herrn Mückschel und seinen Interessensgenossen "seit langem angemahnte" Schritt der Unterschutzstellung des König-Konrad-Felsens ist auch von den Kletterern nie kritisiert worden. Entgegen aller suggestionsversuche von Seiten der Naturschutzlobby haben sich die Kletterer immer nur gegen die Zielsetzung eines totalen Kletterverbots gewandt.

Die Aussage, dass es sich beim Konradsfels "um den einzigen Standort von Saxifraga sponhemica in Hessen" handele, mag sich plausibel anhören. Da aber niemand - auch die Interessenvertreter der Naturschutzvereine aus dem Kreis Limburg-Weilburg nicht - alle Felsen in Hessen kennen, geschweige denn diesbezüglich untersucht haben, muss es richtigerweise heißen: "der einzig bekannte Standort in Hessen". Das ist den Biolobbyisten aber offensichtlich nicht schlagkräftig genug.
Nun muß man die Beachtung solcher Feinheiten von irgendwelchen Naturschutzvereinsvertretern aus Hintertupfingen nicht unbedingt erwarten. Einem promovierten Biologen wie Herrn Mückschel, der hier gerne mit wissenschaftlichem Anspruch auftritt, darf aber eine präzisere Ausdrucksweise durchaus abverlangt werden.

Zu dem, was Herr Mückschel sich als "regelmäße Kletterpraxis" denkt, gilt das bereits zu seinem Leserbrief vom 7.3.2000 geschriebene ( s.o.). Es ist bedauerlich, dass Herr Mückschel die vergangenen drei Jahre nicht dazu genuzt hat, sich ein paar grundlegende Kenntnisse des Klettersportes anzueignen.

Dazu fällt mir dann wieder nur der Satz des amerikanischen Soziologen u. Psychologen William James ein:
"Viele Leute glauben, daß sie denken, wenn sie lediglich ihre Vorurteile neu ordnen."


Vogelschützer für Naturschutzgebiet

Nassauische Neue Presse am 21.12.2002.

Der stellvertretende HGON-Arbeitskreisleiter Limburg-Weilburg, Fritz Kohl, appellierte an die Kletterer, ihr Hobby zu Gunsten des Erhalts dieses einmaligen Naturbiotops zurückzustellen. "Spätere Menschen werden dann noch dankbar sein, wenn schon lange niemand mehr an die heute betroffenen Kletterer denkt."

[...]

Wegen der geringen Größe des Felsens sei eine Kompromisslösung nicht praktikabel und realisierbar, auch wenn die Interessengemeinschaft der Kletterer glaube, eine solche in ihrem Gutachten gefunden zu haben. Kohl: "Dabei muss man sicherlich auch berücksichtigen, dass solche bestellten Gutachten immer auch zum Ziel haben, erhoffte Ergebnisse zu erzielen."


Die Stellungnahme der IG Klettern u. Naturschutz in Rhein-Main e.V.:

Herrn Kohl ist dafür zu danken, daß er so ungeschminkt zum Ausdruck bringt, wie er und seine Mitstreiter denken: Sein Satz, "Spätere Menschen werden dann noch dankbar sein, wenn schon lange niemand mehr an die heute betroffenen Kletterer denkt", ist zynisch und menschenverachtend. Kletterer sind offensichtlich keine Menschen. Und in Zukunft soll es nach Herrn Kohl auch keine betroffenen Kletterer mehr geben.

Wir empfehlen Herrn Kohl dringend, sich mit der Frage zu beschäftigen, wer in Zukunft noch den Schutz der Natur als erstrebenswertes Ziel erkennen soll, wenn diese unseren Kindern allenfalls noch aus Zoos und Schulbüchern bekannt ist. Andernorts hält man den tradierten Aussperrungsnaturschutz, wie er in Limburg propagiert wird, schon lange für eine Sackgasse. "Nur wer die Schönheiten der belebten Natur genießen kann, entwickelt auch ein Bewußtsein für ihre Erhaltung." Dies sagt nicht etwa ein verblendeter Natursportler, sondern Wilhelm Bode, Ministerialrat im Saarländischen Umweltministerium sowie Wald- und Jagdsprecher des Naturschutzbundes Deutschland (DER SPIEGEL, 50, 2000).

"Nicht praktikabel" sei dagegen die von den Kletterern vorgeschlagene differenzierte Konfliktlösung, behauptet Kohl. Angeblich sei der König-Konrad-Fels dafür zu klein. Zu fragen bleibt, mit welcher Sachkenntnis Herr Kohl solche Hypothesen aufstellt. Interessant wäre zu erfahren, welche anderen Kletterregelungen und Konfliktvermeidungskonzepte er an welchen Kletterfelsen kennt und aufgrund welcher Vergleiche er zu dieser Behauptung kommt. Differenzierte Zonierungsregelungen sind in vielen deutschen Klettergebieten ein erprobtes Mittel um Naturschutz und Natursport in Einklang zu bringen. Herr Kohl sollte sich einmal von seinen Kollegen in der Südpfalz, im Frankenjura oder im Nationalpark Sächsische Schweiz zeigen lassen, wie fruchtbare Kooperationen mit Kletterern aussehen können. Vorurteile, wie sie Herr Kohl verbreitet, stellen nicht unbedingt eine überzeugende Meinungsgrundlage dar.

Die unverholene Unterstellung Kohls schließlich, die Kletterer würden sich naturschutzfachliche Gutachten "bestellen" um zu "erhofften Ergebnissen" zu kommen, ist schlicht eine Frechheit und bewegt sich am Rande der Verleumdung. Es darf bezweifelt werden, daß Herrn Kohl der Inhalt des Gutachtens des renommierten Instituts für Umweltstudien Weisser & Ness, dessen Autoren oder gar dessen Zustandekommen näher bekannt sind.


HGON würdigt Kalhebers Engagement - Der Schutz des Felsens ist schon lange überfällig

Limburger Zeitung vom 19.2.2000.

[...]

Nun müsse mit allen Mitteln verhindert werden, daß Interessengruppen, die etwa dem Kletterhobby frönten und deren Aktivitäten oft genug zu unnötigen Beschädigungen des Naturhaushaltes und einzelner Tiere oder Pflanzen führe, den endlich erreichten Erfolg wieder in Frage zu stellen.

Gerade die Extremsportarten, zu denen ja wohl auch das Klettern zu zählen sei, versuchten in zunehmenden Maße die letzten Refugien der Natur, die letzten jungfräulichen Gebiete der Erde zu erobern, sich dort auszutoben und zu messen.

[...]

"Viele Leute glauben, daß sie denken, wenn sie lediglich ihre Vorurteile neu ordnen." (Willam James)


Claus Mückschel, Botanische Vereinigung für Naturschutz in Hessen

In einem Leserbrief an die Nassauische Neue Presse veröffentlicht am 7.3.2000.

Die von der IG angestrebte Mehrfachnutzung ist erst in großen Felsbildungen tolerierbar, wenn eine zeitliche und/oder räumliche Trennung der Funktionen möglich ist. Die Kletterpraxis bringt es mit sich, dass Griffe, Tritte Ritzen, Simse und Fugen in der Felswand regelmäßig von Vegetation und Humus gereinigt werden, um einen sicheren Halt zu gewährleisten. Auf einem so bedeutenden Standort ist Letzteres nicht zu verantworten. Hinsichtlich der Bedeutung des Felsens für die Tierwelt dieser Punkt wurde in der Diskussion vernachlässigt kommt es häufig insbesondere bei Wirbeltieren nicht auf den Umfang der Störung an, sondern nur auf die Tatsache, dass sie überhaupt stattfindet.

Angesichts dieser Aussagen ist zu Fragen, woher Herr Mückschel seine Erkenntnisse über den Klettersport hat. Daß die "Kletterpraxis" es mit sich bringt, Griffe u. Tritte regelmäßig von Vegetation und Humus zu befreien ist eine völlig abwegige und an den Haaren herbeigezogene Behauptung. Herr Mückschel verwechselt offensichtlich einen Erdhang mit einem Felsen.

Was Mückschels Hinweis auf die ach so empfindliche Tierwelt anbetrifft - ein Punkt, der in der Diskussion angeblich vernachlässigt wurde - darf man heute das Schutzwürdigkeitsgutachten der UNB zitieren, nach dem keine schutzwürdigen Tierarten am Konradsfels heimisch sind.

Alles nur heiße Luft also, die Biologe Mückschel hier abgesondert hat.


Der Runkeler Botaniker Heinz Kalheber: Vorrang für den Naturschutz am König-Konrad-Felsen

Limburger Zeitung vom 17.2.2000.

"Daß es Kletterer gibt, die außer den Felsen auch gleich noch das Denkmal besteigen, kann in Fotoalben von Beteiligten wahrscheinlich nachgewiesen werden. Dass sich Müll auch nur in den Felsspalten ansammeln kann, die man vorher geöffnet hat, ist eine Binsenweisheit."

Kein Kommentar


Schlechte Zeiten für Kletterer

Nassauische Neue Presse vom 2.2.2000.

Nach Angaben Fortmanns (Anm.: Martin Fortmann, Mitarbeiter der Untere Naturschutzbehörde Limburg) sind seit Anfang der 90er Jahre verstärkte Kletteraktivitäten in dem Felsen zu beobachten. Daraufhin seien Gespräche mit den verschiedenen Interessengruppen wie dem Deutschen Alpenverein und der Oberen Naturschutzbehörde geführt worden. Dies habe jedoch zu keinem veränderten Verhalten geführt. Vielmehr habe sich in jüngster Zeit deutlich verfolgen lassen, wie die Kletterer versuchten, gegen das unter Schutz stellen des Gebietes anzugehen.

Die "verstärkten Kletteraktivitäten", die Fortmann behauptet, sind Fiktion. Die "Gespräche" (Mehrz.!) zwischen Naturschutzbehörden und Kletterern sind ebenfalls Fiktion. Vielmehr hat es nur ein einziges solches Gespräch gegeben: am 2.12.1998 in der Oberen Naturschutzbehörde in Gießen. Dieses Gespräch, zu dem im übrigen auch die Gemeinde Villmar eingeladen war, jedoch nicht teilnahm, fand allein aufgrund der langjährigen Initiativen der Kletterer statt. Bei diesem Gespräch, das vor der einstweiligen Unterschutzstellung stattfand, war vom anwesenden Vertreter der UNB kein Wort darüber zu hören, daß eine solche Maßnahme bevorstehen würde.

Dennoch wurde Bürgermeister Hepp in dem gleichen Artikel mit der Feststellung zitiert:

Durch die lange Vorbereitungszeit der Ausweisung sei auch eine Übereinstimmung in den Zielen zwischen dem Kreis und der Gemeinde erreicht worden, so Hepp.

Im übrigen ist Fortmanns Behauptung, die Kletterer "versucht gegen das unter Schutz stellen des Gebietes anzugehen" eine miese Unterstellung, die den Standpunkt und die Argumente der Kletterer bewußt in ein falsches Licht zu rücken versucht.





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Zitate

www.on-sight.de

IG Klettern Rhein-Main