Sehr geehrter Herr Zimmermann,

ich freue mich, dass Sie sich für das Thema Klettern und Naturschutz am Konradsfelsen interessieren und darüber berichten.

Zu Ihrem heutigen Artikel im Weilburger Tageblatt muss ich jedoch anmerken, dass Ihre Leser besser und korrekter Informiert wären, wenn Sie mich vorab um eine Stellungnahme zu den von verschiedenen Seiten gegen mich erhobenen und von Ihnen unterstützten Vorwürfen gebeten hätten. Ich finde es zumindest fragwürdig aus Informationen aus zweiter so weit reichende Schlüsse zu ziehen, wie etwa den, dass ich nicht Willens bin mit den Naturschutzbehörden und/oder der Gemeinde zu kooperieren.

Zu den Vorwürfen um den Kletterführer ist zunächst zu sagen, dass es sich bei der sog. "aktuellen Ausgabe" dieses Kletterführers um einen weitgehend unveränderten Nachdruck der 2. Auflage aus dem Jahr 2000 handelt. Es handelt sich nicht um eine "Neuauflage", wie dies von verschiedener Stelle kolportiert wird. Diese Auflage repräsentiert - was den Konradsfelsen anbetrifft - meinen Informationsstand aus dem Jahr 1999 (Redaktionsschluss war im Dez. 1999). Zu diesem Zeitpunkt war den Kletterern das im Sommer 1999 verhängte Kletterverbot noch nicht bekannt. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Limburg-Weilburg die einstweilige Sicherstellung des Felsens nicht nur vollkommen ohne Beteiligung der Kletterer betrieb, sondern die Kletterer von dem Ergebnis der Sicherstellung nicht einmal informierte. Dies ist im übrigen deswegen interessant, da im Dezember 1999 eine Besprechung zum Thema Klettern und Naturschutz im Hess. Umweltministerium stattfand - bei der ich auch anwesend war. Keiner der damals anwesenden Teilnehmer, darunter auch der damal. Staatssekretär Thurmann wußte zu diesem Zeitpunkt von der Sicherstellung.
Den genauen zeitlichen Ablauf der Ereignisse im Zusammenhang mit der eigenmächtigen Sicherstellung des Konradsfelsens durch die UNB Limburg entnehmen Sie bitte meiner Synopse des Konflikts, die Sie im Anhang finden. Alle Angaben aus der von mir zusammengestellten Synopse sind belegbar.

Meine Feststellung im Kletterführer, dass sich das vermutete Kletterverbot als Gerücht erwiesen hätte, bezieht sich auf eine Besprechung des Themas Konradsfels in den Räumen der Oberen Naturschutbehörde in Gießen am 2.12.1998 (diese ist ebenfalls im Kletterführer erwähnt). Dort gab der anwesende Vertreter der UNB, Herr Lübke zu Protokoll, dass der Konradsfels keinem dezidiertem Schutstatus unterliegt und damit auch kein Kletterverbot gegeben ist, im Gegensatz zu Herrn Lübkes Ausführungen in einem Schreiben an die DAV-Sektion Wiesbaden aus dem Jahr 1992 (s. Synopse).
Zu dieser Besprechung darf ich noch anmerken, dass sich die Gemeinde Villmar, die selbstverständlich ebenfalls eingeladen war, entschuldigen ließ, weil der Gemeindevorstand kein Erfordenis darin sah über Klettern und Naturschutz am Konradsfels zu diskutieren, weil man als Grundeigentümer das Klettern sowieso nicht zulassen werde (Schreiben von Hr. Bürgermeister Hepp an die ONB vom 20.10.1998). Herr Hepp bestritt dies in der Sitzung des Bau- u. Umweltausschusses der Gemeinde Villmar am 11.02.

Ich stelle also fest:

  1. Die Sicherstellung des Konradsfelsens und das damit verbundene Kletterverbot erfolgte ohne Beachtung verwaltungsrechtlicher Regelungen und entgegen aller Absprachen der Kletterer mit dem Hess. Umweltministerium ohne jegliche Beteiligung oder auch nur Information der Kletterer.
  2. Die Kletterer erfuhren von der einstweiligen Sicherstellung aus der Presse im Januar 2000. Zu dieser Zeit war jedoch die zweite Auflage des Kletterführers bereits in Druck.
  3. Durch die Sicherstellungsmaßnahme der UNB Limburg ohne Beteiligung der Kletterer sowie durch das offensichtliche Desinteresse des Gemeindevorstands der Gemeinde Villmar und schließlich durch vielfach sachlich falsche und z.T. die Kletterer diffamierende Äußerungen von lokalen Naturschutzaktivisten und eines Vertreters der UNB in der Presse wurde die Stimmung zwischen Kletterern einerseits und Naturschutzbehörden und privaten Naturschützern andererseits so vergiftet, dass dies bis heute eine sachliche Kommunikation auf allen Seiten belastet. Alle meine Aussagen im Internet sowie in Presseartikeln im Frühjahr 2000 sind jeweils unmittelbare REaktionen auf vorangegangene Angriffe von Seiten des privaten und des amtlichen Naturschutzes.

Aus heutiger Sicht mag es vielleicht wirklich etwas schwer verständlich sein, warum heute, vier Jahre nach der einstweiligen Sicherstellung immer noch falsche Informationen in meinem Kletterführer stehen. Dazu ist anzumerken, dass an Kletterführern nicht viel Geld zu verdienen ist und dementsprechend kostenträchtige Akualisierungen in relativ langen Intervallen erfolgen. Aus verlagstechnischen Gründen war im Jahr 2002 jedenfalls keine vollständige Aktualisierung möglich, wie auch die symbolische Angabe, es handele sich um die "2 1/2. Auflage" zeigt.
Das Rechtsamt des Kreisausschusses ist über diese Fakten seit Mitte Dezember informiert.

Zu meinem Vorwurf, der "fachlichen Inkompetenz" des Gemeindevorstandes der Gemeinde Villmar in klettertechnischen Dingen "Steigseile, Einschlagen von Steigeisen" sowie in rechtlichen Begrifflichkeiten "strafrechtliche Verfolgung" verweise ich auf das vom Gememeindevorstand im Jahr 1994 angebrachte Schild (s. Anlage). Ich denke, dieses spricht für sich (Steigeisen werden auf Gletschern verwendet, nicht jedoch beim Felsklettern).

Was schließlich meinen Kooperationswillen angeht, verweise ich auf meine Stellungnahme zu dem vorliegenden Entwurf der Schutzgebietsverordnung für das zukünftige Naturschutzgebiet Bodensteinerlai.

13. Februar 2003




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