Zitate aus Briefen zum Konflikt um den König-Konrad-Fels bei Villmar an der Lahn

Geplante Unterschutzstellung der Bodensteinerlai einschließlich des König-Konrad-Felsens in Villmar

Hildegard Pfaff, Mitglied des Hess. Landtages und Wahlkreisabgeordnete der SPD am 25.2.2003

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Nach sorgfältiger Abwägung zwischen den hier vorliegenden unterschiedlichen Interessensgütern Naturschutz und Klettersport bedauere ich sehr Ihnen als örtliche Abgeordnete leider mitteilen zu müssen, dass mir Ihr Kompromissvorschlag, der eine teilweise Bekletterung des Felsens vorsieht, nicht durchführbar erscheint.

[...]

Nach meinen Informationen hat sich nicht zuletzt der Landessportbund als auch der Deutsche Alpenverein von Ihrer Vorgehensweise distanziert.

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Es wäre schön gewesen, wenn sich Frau Pfaff bequemt hätte zu erläutern, warum sie den Konsensvorschlag (nicht Kompromissvorschlag!) der Kletterer für "nicht durchführbar" erachtet.

Was diese albernen Gerüchte um die angebliche Distanzierung des DAV und des Landesportbundes Hessen angeht, erspare ich mir jeden weitergehenden Kommentar. Offensichtlich ist die Kenntnislage von Frau Pfaff nicht besonders nahe an der Realität.
Siehe dazu: DAV Panorama berichtet über den Konflikt mit den Naturschutzbehörden am Konradsfels.


Stellungnahme der IG Klettern zum Entwurf der Schutzgebiets-VO Konradsfels ("Bodensteinerlai")

Andrea Werner Parlamentarische Referentin BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag in einer eMail am 18.2.2003

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich für ein konstruktives Miteinander von Sport und Naturschutz ein, denn beide Bereiche sind für viele Menschen sehr wichtig. Wir halten es für notwendig, dass die Interessen von Naturschutz und Sport sinnvoll miteinander abgewogen werden. Dabei kann es vorkommen, dass bestimmte Sportarten in der Natur untersagt werden müssen, um gesetzte Naturschutzziele zu erreichen.

Wir gehen davon aus, dass durch die Sicherstellung des Gebietes durch die Untere Naturschutzbehörde (UNB) und die Ausweisung zum Naturschutzgebiet eine Abwägung zwischen den Staatszielen Naturschutz und Sport stattgefunden hat.

Es ist interessant, daß die GRÜNEN sich "für ein konstruktives Miteinander von Sport und Naturschutz" einsetzen wollen. Dies ist deswegen besonders bemerkenswert, da sich die hessischen Bündnisgrünen anno 2002 als einzige Partei gegen die Aufnahme des Sports als Staatsziel ausgesprochen haben.
Aber was man von solchen vollmundigen Ankündigungen zu halten hat, liefert Frau Werner ja selbst gleich im nächsten Satz mit:
Da müssen "bestimmte Sportarten in der Natur" nicht nur eingeschränkt, sondern gleich ganz verboten werden.

Wenn die Bündnisgrüne Landtagsfraktion davon ausgeht, daß mit diesem Ziel eine "Abwägung zwischen den Staatszielen Naturschutz und Sport" in Sachen Klettern am König-Konrad-Felsen stattgefunden hat, könnte sie damit sogar recht haben. Bleibt allerdings zu fragen, ob diese Abwägung tatsächlich sinnvoll ist. Eine wahrhaftige und rechtsstaatliche einwandfreie Abwägung sollte jedenfalls zu anderen Ergebnissen kommen.


Klettern und Naturschutz am König-Konrad-Felsen bei Vilmar

Wilfried Schmied, Regierungspräsident von Gießen am 31.1.2003

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Ich kann zwar darin (Anm.: in der Nicht-Beteiligung der IG Klettern u. Naturschutz in Rhein-Main e.V. am laufenden Ausweisungsverfahren) nachvollziehen, dass Sie persönlich darin ein Versämnis sehen, aber die Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde sind vermutlich davon ausgegangen, dass den Schreiben des Ministeriums bereits durch die Beteiligung der offiziellen Vertreter des Klettersportes rechnung getragen worden ist, und darin würde ich zunächst auch keine Fehlinterpretation erkennen.

[...]

So sieht also die von Umweltminister Dietzel ( s.o.) angekündigte "Sensibilität" aus, mit der der Gießener Regierungspräsident Wilfried Schmied nach Überzeugung des Umweltministers die Thematik weiter verfolgen wird.


Entwurf einer Verordnung des Kreisausschusses des Landkreises Limburg-Weilburg zur Ausweisung des Naturschutzgebietes "Bodensteinerlai"
hier: Einschränkung des Klettersportes

Wilhelm Dietzel, Hess. Minister f. Umwelt, Landwirtschaft u. Forsten am 31.1.2003

[...]

Ich habe zwischenzeitlich das auch von Ihnen angeschriebene Regierungspräsidium in Gießen gebeten, im Rahmen der ihm obliegenden Fachaufsicht über die unteren Naturschutzbehörden das Verhalten des Kreisausschusses des Landkreises Limburg-Weilburg zu würdigen und ein der Sache angemessenes Handeln sicherzustellen. Ich bin davon überzeugt, dass Herr Regierungspräsident Schmied - auch aufgrund der bisherigen Ereignisse - die Thematik mit der nötigen Sensibilität weiter verfolgen und Sie über das Ergebnis seiner Schritte unterrichten wird.

[...]

Hört sich gut an. Doch Skepsis ist angebracht, angesichts der Erfahrungen aus früheren Jahren ( s.o.)


Kletterverbot am König-Konrad-Fels bei Villmar

Heinz Illner, 1. Vors. der Vereinigung Pfäzer Kletterer am 13.1.2003

[...]

Insofern ist jedes totale Kletterverbot, das irgendwo in Deutschland ausgesprochen wird, ein Schlag ins Gesicht für unsere seit nunmehr 15 Jahren praktizierte Lösung, die nur so erfolgreich ist, weil sie auf Verständnis und dem Miteinander der verschiedenen Interessengruppen basiert.

Ich bitte Sie daher dringend, den Konflikt am König-Konrad-Fels in diesem Sinne, das heißt mittels einer einvernehmlichen Zonierungslösung, wie andernsorts vielfach praktiziert zu lösen und das totale Kletterverbot aufzuheben.

Dem ist nichts hinzuzufügen.


Kletterkonzeption für Hessen
hier: König-Konrad-Felsen in Villmar

Der Bürgermeister der Gemeinde Villmar Hermann Hepp am 20.10.1998

[...]

Nach Abwägung aller Interessen hat der Gemeindevorstand entschieden, auch weiterhin das Klettern am König-Konrad-Felsen zu untersagen.

Auch zum heutigen Zeitpunkt haben sich keine neuen Gesichtspunkte zu einer anderen Meinungsbildung der verantwortlichen Mandatsträger ergeben.

Seitens der Gemeinde wird daher nicht das Erfordernis gesehen, an einem diesbezüglichen Termin teilzunehmen.

Soweit Herr Hepp zur seiner Gesprächsbereitschaft anno 1998.

Heute hört sich das natürlich ganz anders an:
"Niemals" hätte er sich einem Gespräch mit den Kletterern verweigert, behauptete Hepp lautstark bei einer öffentlichen Sitzung des Bau- und Umweltausschusses der Gemeinde Villmar am 4.2.2003.


Klettern am König-Konrad-Felsen in der Germakung Villmar

Fr. Aichmüller - RP Gießen am 19.8.1993

[...]

Eine Nutzung des Felsens für Freizeitaktivitäten, wie z.B. das Klettern, findet z.Z. meines Wissens nicht bzw. wenn, dann nur illegal statt.

Bereits die Nutzung des Felsens zum Klettern (unabhängig von den hierzu erforderlichen baulichen Anlagen wie z.B. Klettersteige) wäre eine Nutzungsänderung und durch die damit in jedem Fall verbundene Zerstörung der Felsvegetation, die Beeinträchtigung der Tierwelt durch den vermehrten Aufenthalt von Menschen und die Veränderung des Landschaftbildes ein erheblicher und nachhaltiger Eingriff. Ein Ausgleich hierfür ist nicht möglich, Beeinträchtigungen sind nicht zu vermeiden.

[...]

Aus der Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege ist der Felsen von jeglicher Nutzung freizuhalten, eine Genehmigung zum Klettern kann nicht in Aussicht gestellt werden. Insofern ist m.E. auch kein Ortstermin (Anm.: den die Kletter in einem Schreiben angeregt hatten) notwendig.

Frau Aichmüllers Ausführungen sind auch heute noch - zehn Jahre später - ein immer wieder gerne zitierter Beleg der auf Seiten der Naturschutzbehörden vorhandenen Sachkenntnisse.

Viel schien Frau Aichmüller nicht vom Klettern zu Wissen. Oder anders ausgedrückt, ging ihre Ahnung eher gegen Null. Wer von angeblich für den Klettersport notwendigen "baulichen Anlagen" phantasiert und nach - damals - vierzigjähriger Bekletterung des Felsens keine Kenntnis davon hatte, darf nun wirklich nicht beanspruchen, ernst genommen zu werden.

Zu der von Frau Aichmüller und in der Folgezeit von vielen anderen Interessenvertretern des Naturschutzes ebenso postulierten unvermeidlichen "Zerstörung der Felsvegetation" durch das Klettern darf man heute aus dem inzwischen vorliegenden Schutzwürdigkeitsgutachten zitieren:

  • "Genaue Aussagen über das Ausmaß der Belastung lassen sich aus unserer diesjährigen Bestandsaufnahme allein nicht ableiten." (WEDRA u. THÜS 2002, S. 49)
  • "Die einzelnen Kletterrouten sind in den Verteilungsmustern der Flechten nicht klar wiederzufinden." (WEDRA u. THÜS 2002, S. 50)

Ein Ortstermin wäre vielleicht doch gar nicht schlecht gewesen - rein retrospektiv gesehen. Es wäre zumindest für Frau Aichmüller eine gute Gelegenheit gewesen, ihre Kenntnis der Materie etwas zu vertiefen.





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IG Klettern Rhein-Main